Work-Life-Blend oder Work-Life-Balance? Jede Generation wird durch die Umstände geprägt, in denen sie aufwächst. So haben politische Ereignisse, gesellschaftliche Trends und Vorgängergenerationen großen Einfluss auf die Werte, Ängste und Lebensperspektiven der verschiedenen Jahrgänge. Während die Generation Y zum Beispiel noch Sinn und Spaß in ihrer Arbeit sucht, sieht die Generation Z mehr Erfüllung in sozialen Kontakten.

Die junge Gen-Z steht kurz vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt. Ihr Bild von einem erstrebenswerten Arbeitsalltag unterscheidet sich teilweise stark von dem der Generation vor ihr. Das stellt Unternehmen vor die Herausforderung, neue Vorstellungen von Arbeit in ihr Unternehmen zu integrieren. Denn um langfristig im schon so oft zitierten „War for Talents“ zu bestehen, müssen sich Unternehmen auf die Wünsche und Verhaltensweisen der verschiedenen Generationen einstellen können.

Doch welche Ansprüche hat die Generation Z im allgemeinen Vergleich zur Gen-Y an ihren Arbeitsplatz? Erfahre mehr in diesem Artikel.

Eine Frage der Generation?

Während die Einen die Generation Z den Menschen zu ordnen, die seit 2000 geboren wurden, besteht sie für die Anderen aus den Jahrgängen zwischen 1995 und 2010. Generationen nach Jahrgängen zu definieren ist schwierig. Merkmale der Generation Y (z.B. 1980-1995) können durchaus bei jemandem auftreten, der durch sein Geburtsjahr eher der Generation Z zu geordnet wird (Intergenerations varianz). Trotzdem gibt es im Mittel sichtbare Unterschiede zwischen den verschiedenen Jahrgängen bezüglich ihrer Zielsetzung, ihren Werten und ihrer Art der Interaktion mit anderen (Intergenerationsdifferenz). So viel zur Generations-Theorie.

In der Praxis ist bei der Betrachtung der Generationen die Gefahr groß in ein Schubladendenken zu verfallen. Je nach Studie können auch die Aussagen über die Generationen variieren. Deswegen sollten Studienergebnisse und Artikel über Generationsunterschiede immer mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Sie zeichnen meist kein genaues Bild ab, sondern arbeiten mit Stereotypen, die nicht immer 1 zu 1 auf die Allgemeinheit übertragen werden können. Jedoch sollten sie nicht unbeachtet bleiben. Sie bieten eine wichtige Grundlage, um Veränderungen gerade in der Arbeitswelt zu verstehen und sich auf sie einzustellen. Denn die Arbeitswelt wird sich immer mit dem Auftritt einer neuen Generation verändern.

Die Vorstellungen der Arbeitswelt von Generation Y und Z im Vergleich

Loyalität? Home-Office? Work-Life-Balance? Beim Vergleich (nach Stereotypen) der beiden Generationen lassen sich einige Gemeinsamkeiten erkennen – und viele Unterschiede. Ähnlich sind sie sich darin, dass sie häufiger den Job wechseln und nicht ihr Leben lang beim selben Arbeitgeber bleiben. Gerade die Generation Z steht dem Thema Loyalität mit einer neuen Rationalität gegenüber. Sie haben verstanden, dass Arbeitgeber durch den Drang nach Flexibilisierung wenig Sicherheit für den persönlichen Arbeitsplatz bieten. Deshalb sind sie selbst nicht bereit, sich an ein Unternehmen zu binden. Die Gen Y wechselt ihren Arbeitsplatz eher aus dem Motiv der Selbstverwirklichung. Haben sie das Gefühl bei einem Arbeitgeber nicht voranzukommen oder, dass Versprechen nicht eingehalten wurden, so sehen sie sich schnell zu einem Wechsel des Arbeitsplatzes motiviert.

Darüber hinaus ist beiden Generationen sehr wichtig, dass die Arbeit zur ihrer Persönlichkeit passt. Das zeigt die Studie „brave new workplace“ von Universum, die die Karrierevorstellungen von über 18.000 Schüler Studenten und Berufstätige aus 19 Ländern aus der Generationen X, Y und Z untersucht hat. Auch bei der Wahl des bevorzugten Arbeitsplatzes unterschieden sich die Angaben der verschiedenen Generationen nicht sehr deutlich. Worin sie sich aber deutlich unterscheiden, ist die Vorstellung vom Arbeitsalltag. Die Unternehmensberatung Mercer hat dies in einer Infografik zusammengefasst:

So geben sie an, dass die Ypsiloner…

  1. … Flexibilität mögen
  2. … Sinn und Spaß in ihrer Arbeit suchen (Ihre Hingabe für ein Projekt hängt davon ab, wie sinnvoll sie die Arbeit empfinden [Anm.d.Verf.])
  3. … selbstständig und unabhängig sind
  4. … Projektarbeit als Chance sehen
  5. … gerne im Team arbeiten
  6. … 24h online sind
  7. … im Hier und Jetzt Leben
  8. … der Arbeitswelt optimistisch gegenübertreten
  9. … lernbereit und arbeitswillig sind
  10. … und Arbeit und Privates miteinander verbinden (Work-Life-Blend)

Die nachfolgende Generation Z hat wahrscheinlich an der Generation Y gesehen, dass die Vermischung von Arbeit und Privatem dazu führt, dass die Arbeit rund um die Uhr präsent ist. Den möglichen Folgen davon, wie übermäßiger Stress und Burnout, will die neue Generation aus dem Weg gehen. So wollen die Z-Ler „geregelte Arbeitszeiten, unbefristete Verträge und klar definierte Strukturen im Job haben. Wenn Feierabend ist, dann lesen sie auch keine Arbeitsmails“, so Prof. Dr. Christian Scholz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes, in einem Interview mit der Welt. Der Arbeitsmarkt müsse sich auf eine Generation einstellen, die Arbeitgebern sehr rational gegenübersteht und im Gegensatz zu ihrer Vorgängergeneration Y nach mehr Sicherheit und Stabilität sucht. Die Aussagen von Herrn Scholz spiegeln sich auch in der Infografik von Mercer wider. Hier im Überblick:

Die Generation Z seien Technoholics, die …

  1. … klare Strukturen mögen
  2. … Erfüllung in sozialen Kontakten suchen
  3. … nicht zwischen realer und virtueller Welt abgrenzen
  4. … sich ihrer unsicheren Zukunft bewusst sind
  5. … nach Sicherheit und Stabilität suchen
  6. … mehr Wert auf Freizeit anstatt Karriere legen
  7. … Arbeit und Privates klar voneinander trennen (Work-Life-Balance)

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann, Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance, geht auch davon aus, dass die Gen-Z Arbeit und Privates nicht ineinanderfließen lassen möchte. Er prognostiziert den Wunsch nach flexiblen festen Strukturen, also so etwas wie feste Arbeitszeitkontingente, die anschließend eigenverantwortlich gefüllt werden. Darüber hinaus sagt er der jungen Generation ein anderes Stärke-Schwäche-Profil nach: „Wir bekommen eine hochsensible junge Generation, die alles blitzschnell aufnimmt und erfasst und enorm multitaskingfähig ist. Dann aber auch nicht mehr so konzentriert ist, sich schnell ablenken lässt und ein kurzes Durchhaltevermögen besitzt.“

Wichtig wird es also in Zukunft sein, verstehen zu lernen, welche Zielgruppe welche Bedürfnisse besitzt und diese dann gezielt und individuell anzusprechen. Dazu solltest Du Dir darüber bewusst werden, welche Stärken und Schwächen in den unterschiedlichen Generationen vorherrschen, und die Erkenntnisse in Deine Unternehmens- und besonders Recruitingstrategie einfließen lassen.

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Über den Autor
Paul ist freier Autor und treuer Mitstreiter von PlusPeter. Da er als Kind in einen literarischen Zaubertopf gefallen ist, laufen ihm schmucke Blogbeiträge nur so von der Feder. Mit seinen inspirierenden Ideen steckt er uns immer wieder alle an